Makiwara

Makiwara

Makiwara (2)-001

Allgemeines

Diese Frage hören wir immer wieder: „Ist es denn nötig, unbedingt gegen diesen harten Pfosten zu schlagen?“ Wir meinen JA!

Das wir damit nicht alleine stehen, zeigen die Zitate folgender Karatemeister aller Richtungen:
„Ich glaube keineswegs zu übertreiben, wenn ich behaupte, dass das Üben am Makiwara die Voraussetzung für das Heranbilden starker Waffen ist.“ Funakoshi Gichin (1869-1957)
„[…] Dieser Apparat ist überaus bedeutend für die Heranbildung durchdringender Schläge.“ Motobu Chôki (1870-1944)
„Das Üben an der Makiwara ist die Seele des Karate und sollte auch nicht einen einzigen Tag unterlassen werden.“ Nakayama Masatoshi (1913-1987)
„Die Abhärtung am Makiwara steht im Mittelpunkt des Karatetrainings, und man darf diese Übungsform keinen Tag ausfallen lassen.“ Tanaka Masahiko, 8. Dan

Und auch auf den zweiten Einwurf „da verletzt man sich ja immer“ wollen wir mit unseren Artikel eine Antwort und Lösung geben.
Außerdem sollte man bedenken, dass man Kampfsport macht und seine Waffen (Hände und Füße) immer am Körper trägt. Das diese entsprechend trainiert und abgehärtet sein sollten sein sollten sieht Peter Consterdine (8. Dan), einer der bekanntesten Karateka Groß-Britanniens ähnlich und sagt: „Nach dreißig Jahren Karate kann ich sagen, dass ich sehr sehr wenige Karateka gesehen habe, die wirklich stark […] zuschlagen konnten. Dieses Problem stammt, so glaube ich besonders von der Tatsache, dass sie meistens Makiwara (4)in die frische Luft schlagen.“

Auch Geoff Thompson (6. Dan), ein Praktiker mit langjähriger Kampferfahrung weiß: „Das Makiwara oder Sandsack-Training ist unerlässlich für Kime, denn das bloße Schlagen in die Luft […] macht dich gut im… ‚in-die-Luft-schlagen’.“

Geschichte und Bedeutung

Der Begriff Makiwara bedeutet im japanischen Sprachgebrauch schlichtweg ‚Holz (Maki) und Stroh (Wara)’. Zu vermuten ist, dass es sich um eine okinawanische Erfindung handelt (ähnlich wie Kobudo), da es schon lange auf Okinawa als Übungsgerät verwendet und es auch keine japanischen Angaben zu diesem Trainingsgerät gibt.
Ähnlich wie die Kata regt die Übung mit ihm den Vitalkreislauf an und stimuliert die inneren Organe.
Über die genaue Entstehungsgeschichte gibt es leider keine Informationen.
Wie bereits erwähnt, ist das Training mit dem Makiwara unentbehrlich für das Studium des Kime.
Hier haben wir  zusätzlich Sandsack, Pratzen und Schlagpolster in unserem Verein, um die Treffereffizienz zu erhöhen und zu trainieren.

Formen und Struktur

Sensei am Makiwara2Es gibt im wesentlichen zwei verschiedene Makiwara-Formen:
Die bei uns im Dojo vorkommende Variante ist das ‚Tachi-Makiwara’. Hier handelt es sich um ein Holzbrett, das in den Boden eingelassen oder an diesem montiert wird.
Das Makiwara sollte so elastisch sein, dass es beim Auftreffen mindestens 10 cm zurückschwingt. Viele Karateka schlagen systematisch, für ihren Leistungsstand, auf zu starre Makiwara und hoffen paradoxerweise gerade dadurch noch stärkere Schläge entwickeln zu können.
Die zweite traditionelle, aber heute leider kaum bekannte Form des Makiwara ist das ‚Sagi-Makiwara’. Im Gegensatz zum Tachi-Makiwara wird es nicht stabil im/am Boden verankert, sondern hängt flexibel in der Luft. Es besteht aus einem Bündel Stroh, dass mit einem Seil zusammengehalten wird. Es wurde größtenteils zum Üben von Tritten verwendet.

Vorteile und Gefahren

Der Makiwara ist als Lehrer unbestechlich. Er bestraft auch den kleinsten Fehler sofort. Fehler, die man im Kihon- oder Kata-Training oft jahrelang begeht, wie etwa Fehlstellungen der Gelenke, fehlende Endspannung oder Nachlässigkeiten im Stand werden am Makiwara sofort durch den Rückprall angezeigt.
Im Umgang mit dem Makiwara-Pfahl sollte man Respekt walten lassen. Respekt vor einem unbarmherzigen Gegner, Respekt aber auch davor, dass man seinen „inneren Schweinehund“ überwinden muss. Denn den Spruch „ein Brett schlägt nicht zurück“ kann man nach Makiwara-Übungen nicht mehr unterschreiben. Hier kommt es vor allem darauf an, mit viel Geduld und Ausdauer zu üben und im wahrsten Sinne klein anzufangen und sich dann im Laufe der Zeit an den regelmäßigen Umgang mit dem Makiwara zu gewöhnen.
Erst hier erlernt man den Kimefluß der Techniken und des eigenen Körpers zu verstehen.
Verletzungen resultieren meist aus Fehlern in der Technikausführung, Unkonzentriertheit undSensei am Makawara Übertraining während einer Trainingseinheit. Meist kommt es zu Verstauchungen oder Abschürfungen, Hand- oder Fingerbrüche sind zum Glück noch nicht vorgekommen.
Die Wunde unbedingt auskurieren, bevor das nächste Mal am Makiwara trainiert wird. Ansonsten besteht die Gefahr von Infektionen und Vernarbungen.
Durch falsches Makiwara-Training ist es ebenso, wie durch falsches Karate-Training möglich, sich systematisch „kaputt zu trainieren“, indem der Bewegungsapparat wiederholt traumatisiert wird. Viele Leute verkrampfen, durch den Druck auf einmal präzise treffen zu müssen und verfälschen so ihre Techniken während der Ausführung und besonders im Moment des Widerstands. So können sich auch bei guten Technikern schnell und unbemerkt falsche Bewegungen am Makiwara einschleifen.
Dem kann man entgehen, in dem man die Umgang langsam erlernt. Gerade am Anfang ist es völlig falsch „wie ein Irrer“ auf den Makiwara einzuschlagen, dem ist es egal und um anzugeben, ist der Dojo der falsche Ort. Langsam und sauber die Technik auszuführen und zum Schluss das Brett mit Kime zu bewegen, ist der richtige Beginn.
Es ist daher sehr wichtig, stets konzentriert zu trainieren und das Training auch häufig durch eine unbeteiligte Person überwachen zu lassen.

 

Hinweise für das Training

Das wichtigste beim Makiwara-Training ist die Konstanz., denn wie bei allem erreicht man auch beim Training am Makiwara nur durch Beständigkeit einen wirklichen Fortschritt. Auch sollte der Makiwara schon in den unteren Kyu Graden geübt werden, dort natürlich – als Anfänger – auf einem anderen Leistungslevel.
Vor dem Einstieg ins Makiwara-Training sollten vorbereitend besonders die Knöchel der Faust (Seiken) durch andere Übungen (Liegestütz auf Fäusten, Schlagtraining an der Matte etc.) abgehärtet werden. Dann sollte man Makiwara (5)-001das Training leicht und mit kleinen Serien beginnen und während der nächsten Trainingseinheiten langsam und kontinuierlich steigern. Hier sollte man auf seinen Körper hören und keinen übertriebenen Ehrgeiz entwickeln.
Bei sämtlichen Techniken ist stets darauf zu achten, dass mit der richtigen Auftreff-Fläche getroffen wird. Nachlässigkeiten führen hier schnell zu Verletzungen.
Ebenso wie anfänglich komplizierte oder viele Techniken durchführen zu wollen. Schon das Üben einer einzigen Technik führt zu einem besseren Verständnis derselben. Auch hier führt ein langsames Steigern zu einem besseren Lerneffekt.
Im Fortgeschrittenenbereich sollte jeder Schüler seine eigenen Techniken ausprobieren.
Beim Schlagen ist darauf zu achten, dass die Technik nach dem Auftreffen nicht sofort zurückschnappt, sondern gehalten wird. Zum Training der Schnelligkeit gibt es andere Übungen.
Um die Hände oder Füße und Beine so abzuhärten, dass man wirklich Kampfsport ausüben kann, so dass man Schlag- und Stoßtechniken, aber auch Block- und Abwehrtechniken effektiv und kraftvoll einsetzen kann, sollte regelmäßig am Makiwara trainiert werden.
Wir lernen aber auch, uns selbst zu überwinden, denn wie sagte unser Dan-Träger Adam-san:
„Blaue Flecken sind die Stellen am Körper, an denen der Schmerz den Körper verlässt“

Bitte SO NICHT

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